home

 

Zivilcouragepreis in der Sparte Projekte 2016

 

 

 

Regio TV: http://www.regio-tv.de/video/442694.html

Grundschule bekommt für „Mut wagen“ den Zivilcouragepreis

02.12.2016 News Stadt, erstellt von Barbara Rau

Die Grundschule am Rain hat für ihr Projekt „Mut wagen“ den Projekt-Sonderpreis beim Zivilcouragepreis 2016 bekommen.

Mutig helfen, handeln und dort einschreiten, wo Unterstützung notwendig ist, das ist die Zielsetzung des Projekts „Mut wagen – für mehr Zivilcourage“, das an der Grundschule in der vierten Klasse seit 2014 läuft. Schulsozialarbeiter Wolfgang Hinze und Lehrer José Vazquez Linares haben sich von der Verleihung des Zivilcouragepreises 2012 in Isny dazu inspirieren lassen. „Mut wagen“ ist ein Projekt, das an die Grundschule am Rain passt. Es reiht sich ein in die Projekte für soziales Lernen, die in dieser Schule von der ersten Klasse an gepflegt werden und die eine gute Basis für ein soziales Miteinander schaffen. Hinze, Vazquez Linares und dessen Kollegin Claudia Jilke-Mayer haben eigens eine Ausbildung „Sozialtraining“ absolviert.
Manchmal braucht das Miteinander Mut. Kinder werden auch in ihrer Lebenswelt immer wieder mit Ungerechtigkeit und Formen von Gewalt konfrontiert. „Es gibt viele Appelle für Mut, aber wo soll der herkommen?“, nennt Vazquez Linares die Herausforderung, „und die Kinder müssen erst einmal wissen, was Mut ist“. Durch gezieltes Nachfragen der Pädagogen merken sie manchmal erst, dass sie schon mutig gewesen sind.
In Rollenspielen werden Situationen durchlebt, in denen ein Kind mit Mut etwas tun oder ändern kann und auch sollte. Was – das erarbeiten sie selbst. Wichtig ist zu erfahren, „ich kann etwas tun, ohne mich selbst zu gefährden“, erklärt Hinze. Dabei reicht manchmal schon ein kleines bisschen Mut – wenn er dazu anspornt, Hilfe zu holen. „Aus vielen kleinen Mütchen wird ein großer“, gemeinsam lässt sich etwas durchsetzen, das soll den Kindern vermittelt werden, wie Hinze sagt. Denn das Wichtigste ist, überhaupt etwas zu tun und vor allem, sich um das Opfer zu kümmern. „Stopp“ sagen, wenn sie Unrecht sehen, Hilfe holen, wenn es notwendig ist, das ist etwas, worin die Kinder bestärkt werden. „Hilfe holen ist nicht petzen“, auch das müssen sie wissen. Und Mut zeigen, das sollen und dürfen Kinder auch gegenüber Erwachsenen. Beispielsweise Eltern oder Lehrer darauf hinweisen, wenn diese im Unrecht sind, „Stopp“ sagen, wenn einem in einer Situation unwohl ist.
Für den Erfolg von „Mut wagen“ können Hinze und Vazquez Linares auf die Bausteine und Vereinbarungen der ersten bis dritten Klasse aufbauen. Die Projekte des sozialen Lernens stehen nicht im Stundenplan. Sie müssen irgendwie eingebaut werden. Für Schulleiter Harald Strittmatter war es dennoch keine Frage, „Mut wagen“ umzusetzen. „Wir gewinnen ja auch Zeit, weil wir konfliktärmere Klassen haben“, betont er. Das Lehrerkollegium steht dahinter und trägt es weiter. Rückmeldungen von Elternseite sind positiv. Und nicht zuletzt ist soziales Lernen ein Qualitätsmerkmal am Schulzentrum. Bei der Fremdevaluation der Grundschule hat das Schulklima die „Exzellenzstufe“ erreicht, Schüler und Lehrer fühlen sich ganz offensichtlich wohl, die Kinder gehen gern zur Schule. Erste Landesbeamtin Eva Meschenmoser, die den Preis in Ravensburg überreichte, sähe dieses Projekt deshalb gern an allen Schulen des Landkreises.